Wenn ich auf die vergangenen acht Jahre Pausentaste zurückblicke, denke ich vor allem: Junge Pflegende sind oft unsichtbar – und es sind sehr viel mehr, als man oft vermutet. In Deutschland kümmern sich schätzungsweise rund 500.000 Kinder und Jugendliche regelmäßig um kranke oder pflegebedürftige Angehörige. Vielleicht gehörst du auch dazu und trägst Verantwortung, die eigentlich zu groß ist für dein Alter.
Viele von euch stehen mit ihren Sorgen allein da. Wer sieht eigentlich, was ihr jeden Tag leistet? Genau deshalb war Pausentaste von Anfang an so wichtig. Das Angebot wurde 2018 vom Bundesfamilienministerium initiiert, die Nummer gegen Kummer war direkt beteiligt. Uns war schnell klar: Junge Pflegende brauchen eine niedrigschwellige Anlaufstelle – einen Ort, an dem sie nicht erst erklären müssen, warum es schwer ist, sondern ihnen einfach jemand zuhört.
Nummer gegen Kummer: verlässlich, anonym, offen
Was die Nummer gegen Kummer für mich besonders macht, ist die Verbindung aus Verlässlichkeit, Anonymität und Offenheit. Kinder, Jugendliche und auch Eltern können sich mit allen Themen an uns wenden – wir sind da, wir hören zu.
Als Pausentaste startete, hat uns überrascht, wie viele junge Pflegende es gibt. Eine Studie im Auftrag des Bundesfamilienministeriums zeigte, wie wichtig eine unkomplizierte, im Alltag erreichbare Hilfe ist – am besten auch
vertraulich per Chat. Gerade wenn Zeit knapp ist und Verantwortung großen Raum einnimmt, braucht es einen möglichst einfachen Weg ins Gespräch und Orientierung im „Pflegedschungel“.
Beim Erzählen sortiert sich vieles
In der Beratung zeigt sich, wie viel die jungen Menschen tatsächlich tragen. Viele benennen ihre Situation nicht direkt als Pflegeverantwortung, sondern sprechen über schlechte Note, Überforderung oder das Gefühl, immer funktionieren zu müssen. Beim Erzählen sortiert sich vieles – und oft entsteht genau da schon die erste Entlastung.
Darüber reden hilft. Das ist für mich keine Floskel, sondern eine tägliche Erfahrung, die du vielleicht auch schon gemacht hast. Nicht jedes Gespräch braucht sofort eine Lösung. Manchmal reicht es, wenn du deine Sorgen zum ersten Mal aussprechen kannst. Gerade bei sehr persönlichen Themen kann es entlastend sein, mit einer fremden Person zu sprechen, die nicht urteilt und nichts weiterträgt.
Beraterinnen und Berater als Lotsen
Unsere Ehrenamtlichen hören dir zu, entlasten und helfen, erste Schritte zu finden. Medizinische, rechtliche oder psychotherapeutische Fragen können wir nicht beantworten, aber wir verweisen weiter. Diese Lotsenfunktion ist
gerade im Bereich Pflege zentral, weil oft völlig unklar ist, welche Unterstützung es überhaupt gibt. Durch das Netzwerk bei „Pausentaste" kennen wir einige Hilfsangebote und können über ihre Arbeit informieren.
Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein Gespräch mit einer Jugendlichen und ihrer Mutter. Die Mutter war krank, die Tochter führte das Telefonat. Beide gingen sehr zugewandt mit der Situation um. Solche Momente zeigen mir: Pflege bedeutet nicht nur Belastung, sondern auch Nähe, Zusammenhalt und Stärke.
Lebensrealitäten bleiben komplex
Seit dem Start von Pausentaste ist vor allem das Bewusstsein für junge Pflegende gewachsen. Gleichzeitig bleiben die Themen in der Beratung vielfältig: Sie reichen von Pflege über Einsamkeit bis hin zu Konflikten und Überforderung. Eure Lebensrealitäten sind komplex – und die Unterstützung muss es auch sein.
Für mich ist Pausentaste deshalb mehr als ein Projekt. Es ist ein Zeichen dafür, dass junge Pflegende gesehen werden. Dass deine Verantwortung zählt. Und dass es jemanden gibt, der dir zuhört, wenn alles zu viel wird. Genau dafür sind wir da. Ruf an oder schreib uns online.
Nina Pirk ist Sozialwissenschaftlerin und arbeitet im Projektteam der Pausentaste beim Dachverband Nummer gegen Kummer e. V. Seit vielen Jahren engagiert sie sich ehrenamtlich als Beraterin.
Nummer gegen Kummer e. V. in Zahlen
- 2018 wurde das Projekt Pausentaste gegründet und das Angebot von Nummer gegen Kummer e. V. für junge Pflegende erweitert.
- 87 Beratungsstellen mit über 3.600 ehrenamtlich Beratenden in ganz Deutschland umfasst das Netzwerk der Nummer gegen Kummer e. V.
- 14.338 junge Pflegende wurden am Kinder- und Jugendtelefon und online per Mail und im Chat seit dem Start des Projekts Pausentaste anonym und kostenfrei beraten.
- 1.880 Beratungsgespräche haben im Jahr 2025 stattgefunden.
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